Sustamine: eine neue Zellhydratation

Alanyl-Glutamin, besser bekannt als Sustamine, ist ein Dipeptid, das Glutamin und Alanin in einer sehr stabilen Form von erhöhter Löslichkeit bindet: Seine Vorteile sind uns bekannt

Nach so vielen Jahren, die ich in der Welt der Pharmaka und Nutrazeutika, einschließlich der Nahrungsergänzungsmittel, verbracht habe, gibt es nur noch wenige Elemente oder Entdeckungen, die mich begeistern oder ein besonderes Interesse in mir erwecken, sofern sie nicht ausdrücklich meine berufliche Tätigkeit betreffen.

Eines Tages unterbreitete der Präsident von Yamamoto Nutrition Italien mir einige Nahrungsergänzungsmittel und Rohstoffe, die für die Einführung auf den italienischen Markt bewertet werden sollten.

Einige davon erregten meine Aufmerksamkeit und Anerkennung, von einem hatte ich bereits in einer wissenschaftlichen Literatur gehört, wo seine positiven Eigenschaften dargelegt wurden.

Ich spreche von „Alanyl-Glutamin”, das auf kommerzieller Ebene als „Sustamine” bekannt ist.

All diejenigen, die sich im Bereich des Fitness und des Sports bewegen und Nahrungsergänzungsmittel verwenden, sind mit der „Kusine” Glutamin vertraut, doch diese Verwandte ist, zumindest in Italien, eher unbekannt.

Es handelt sich um ein Dipeptid, dass Glutamin mit Alanin verbindet und somit eine ausgesprochen gegen Wärme und Säuren beständige Form von sehr hoher Löslichkeit bildet.

Was ist Alanyl-Glutamin?

Ausgehend von der Basis bzw. von der „elementaren” Biochemie, handelt es sich beim Alanin um eine nicht-essentielle Aminosäure, während Glutamin als „teilweise” essentiell bezeichnet wird, doch beide tragen zum Stickstoffaustausch zwischen den Geweben und zur Produktion und der Speicherung von Glucose bei.

Chemische Formeln der Aminosäuren L-Alanin und L-Glutamin

Chemische Formeln der Aminosäuren L-Alanin und L-Glutamin

Sehr wichtig ist auch die Rolle, die sie bei der intrazellulären Hydratation spielen, und ihre Anwendung ist gerade für intensive Trainingseinheiten und andere Formen von körperlichem Stress von besonderem Interesse.

Dies vorausgeschickt, scheinen sie auf ähnliche Weise zu wirken, vor allem würde ich ihren Effekt eher als synergisch bezeichnen, wenn man bedenkt, dass das Alanin die bedeutendste Aminosäure für den Transport des Stickstoffs von den Muskeln zur Leber darstellt.

In der Leber wird der Kohlenstoffanteil des Aminosäureskeletts in Glucose (ein Verfahren, das Glucose-Alanin-Zyklus genannt wird) umgewandelt.

Und was hat das Glutamin damit zu tun?

Glutamin ist der erste Transporter „carrier” zwischen den aus dem Katabolismus von Proteinen abgeleiteten Stickstoffzellen und stimuliert die GLP-1 (glucose-like peptide-1), unterstützt daher den zirkulierenden Glucosespiegel und begünstigt die Synthese der Glucose selbst.

Doch der bedeutendste Faktor, der mein (und nicht nur das) Interesse erweckt, ist zweifellos die Verbesserung der Zellhydratation; schauen wir nun, um was es sich hierbei handelt.

Das Alanin scheint die Hydratation und das Zellvolumen durch Erhöhung des intrazellulären Kalium-Gehalts zu beeinflussen, indem es Wasser in die Zelle zieht. Glutamin hilft dabei, das Säure-Basen-Gleichgewicht zu erhalten (ein in den letzten Jahren sehr beliebtes Thema).

Was hat dieser Fall mit dem Glutamin zu tun?

Nun, beim Training produzieren die Muskeln Milchsäure, die in den Blutstrom gelangt und diesen ansäuert. Daher zeigt sich uns jenes Gefühl, dass angenehm ist, sofern es mit einem massiven Aufpumpen verbunden ist, kann sich jedoch als unangenehm und bei gewissen Sportleistungen als hemmend erweisen.

Durch den Anstieg der Milchsäure sinkt der pH-Wert und der Glutamin-Verbrauch der Nieren kann sich erheblich erhöhen, was den Prozentsatz von Bicarbonat indirekt aufwirft.

Nachdem das zuvor synthetisierte Bicarbonat das Blut erreicht hat, dient es als Puffer, indem es sich an den sauren Teil des Blutes bindet, um dessen pH-Wert auf einen neutralen Wert zu bringen und das Säure-Basen-Gleichgewicht wiederherzustellen.

Warum sollte es verwendet werden?

Bei besonders intensiven, für Bodybuilder typischen Trainingseinheiten und bei extrem hoher Körperbelastung werden beide Aminosäuren in großen Mengen von den Muskeln freigesetzt. Wenn diese Konzentrationen nicht wieder hergestellt werden, leiden nicht nur die Muskeln selbst darunter, sondern auch die Leistung, die Regenerierung, das Immunsystem und andere biologische Funktionen.

Und nachdem geklärt wurde, wo und wie sie ihre Funktionen synergistisch ausüben, kann diese dipeptidische „Kombination” eine wirksame Anwendung bei Bodybuildern und Athleten finden, die sich intensiven, wie auch lang andauernden Anstrengungen unterziehen. Dort, wo eine deutliche antakatabole Wirkung zum Schutz der Muskeln erfordert wird, begünstigen sie die Protein- und Glucosesynthese und erhalten den hydratisierten bzw. anabolen Zustand der Zelle aufrecht.

Die Vorteile von Alanyl-Glutamin

Die Vorteile der Einnahme eines Dipeptids im Vergleich zu längeren Polypeptidketten liegen in der bereits erwähnten höheren Wärme- und Säurebeständigkeit und der eindeutig besseren Löslichkeit gegenüber Glutamin, gerade wegen seiner höheren Nutzungseffizienz.

Chemische Formel von Sustamine

Chemische Formel von Sustamine

Glutamin wird in einer Lösung schnell zu Ammonium abgebaut und erweist sich als schlecht löslich, was bei Alanyl-Glutamin genau das Gegenteil ist.

All dies nur, weil die Dipeptiden dort, wo die Aminosäuren in freier Form mit den hoch selektiven Aminosäure-Transportern um ihr Uptake wetteifern, dank der weitaus weniger selektiven Carriers leichter aufgenommen werden (PEPT1).

 

In Tiermodellen führte das Alanyl-Glutamin zu einer Gewichtszunahme und einer Stickstoffretention, reduzierte den Muskelkatabolismus und die Oxidation von Leucin und trug zum Aufbau der Darmflora bei.

Und hier lege ich eine Pause ein, um die Bedeutung des Glutamins als Kraftstoff des Darms sowie als Unterstützung der defensiven Schleimhaut hervorzuheben. Doch die positive Funktion, die alle ausnahmslos ausüben, ist die von der extremen Löslichkeit und Stabilität gegebene Zellhydratation, die ich bereits in folgenden Artikeln erwähnte
Die Doktoren Roger Harris und Jay Hoffman wiesen nach, dass die Konzentrationen von Glutamin im Blut bei Patienten, die Alanyl-Glutamin eingenommen haben, fast um 60 % höher lagen als bei den Personen, die Glutamin in freier Form verabreicht bekamen, was 126 % der Gesamtkonzentration von plasmatischem Glutamin ergab.
Die Studien haben ergeben, dass die chronische Einnahme von Alanyl-Glutamin den Glutaminspiegel in den Muskeln im Vergleich zum regulären Verbrauch von Glutamin in freier Form scheinbar erheblich erhöht.

Welche sind seine Anwendungsbereiche?

Die wichtigsten Anwendungsbereiche des Alanyl-Glutamins entsprechen denen des Glutamins (ich verweise auf meinen Artikel über seine Funktionen):

  • Antikatabolische Wirkung/Zellhydratation
  • Begünstigung der Protein- und Glykogensynthese
  • Unterstützung der Darmschleimhaut und demnach des Immunsystems

Durch Zufügen von Alanyl-Glutamin zu Rehydratationslösungen oder -getränken scheint die Wasser- und Elektrolytenaufnahme in den Zellen erheblich höher zu liegen, als in dem Fall, in dem einfach L-Glutamin oder Glucose ergänzt wird.

 

Schon allein dies stellt einen sehr interessanten Faktor dar. In einer Studie von Hoffman und Assoziierten kamen die Forscher zu der Schlussfolgerung, dass die Steigerung der herausragenden Leistungsfähigkeit von Radsportlern der Hochschule darauf zurückzuführen ist, das sowohl das Wasser als auch die Elektrolyten nach Einnahme einer Sustamine-Lösung auf viel wirksamere Weise aufgenommen wurden.

Durch die Einnahme von Sustamine konnten die Personen eine Verzögerung des Ermüdungszustands sowie eine mäßige Dehydratation feststellen. Darüber hinaus hat das Team von Hoffman in dieser Studie herausgestellt, dass 1 g Alanyl-Glutamin auf 500 ml Wasser die Qualität der sportlichen Bewegung sowie die visuellen Reaktionszeiten der Athleten aufrechterhalten kann.

Durch die Verdoppelung der Dosis des Dipeptids auf etwa 500 ml verringerte sich zwar die Ermüdung, doch zeigte sich keine Verbesserung in der Leistung und der Reaktionszeit. Literarisches Material gibt es reichlich, es ist hoch interessant und spricht in den höchsten Tönen von seinen Anwendungsmöglichkeiten (ich erinnere an die Anwendung im Bereich der klinischen Ernährung), doch vielleicht sollten wir weitere vertiefende Untersuchungen berücksichtigen?

Zum Beispiel gibt es noch keine Studien auf menschlicher Ebene, die sich auf die orale Einnahme von Alanyl-Glutamin beziehen. Sie kann die Muskelhypertrophie oder den Einfluss auf den Athleten erhöhen und es wäre sehr interessant, die Wirkungen während intensiver körperlicher Betätigungen, kohlenhydratarmen Diäten, geringer Hydratation und/oder einer Kombination aus all diesen Faktoren zu beobachten.

Wann sollte Sustamine verwendet werden?

Wir alle kennen die verschiedenen Rollen, die das Glutamin in zahlreichen Anwendungsbereichen spielt, und davon weichen wir auch im Wesentlichen nicht ab. Doch unterstreichen wir das nicht zu verachtende „Plus” der erhöhten Stabilität und demnach der Fähigkeit, mit erhöhter Konzentration das Ziel zu erreichen, das „wir uns gesetzt” haben, um seine Wirkungen am effizientesten zu nutzen.

Sustamine sollte an Trainingstagen vor und während der Übungen eingenommen werden, um die Zellhydratation, den Elektrolyttransport und den Stoffwechsel von Glucose und den verzweigten Aminosäuren zu unterstützen.

Nach dem Training kann es seinen Nutzraum bekommen, um die Regenerierung zu unterstützen, insbesondere in den Phasen einer Kalorien- und/oder Kohlenhydratreduktion.

An trainingsfreien Tagen wird stattdessen eine fraktionierte Aufnahme pro Tag empfohlen, die vorzugsweise mit einem Mindestgehalt von Kohlenhydraten kombiniert werden sollte, um den Glykogengehalt zu optimieren.
Das Alanyl-Glutamin muss nicht zyklisiert werden.

Dies hebt hervor, dass die chronische Einnahme im Vergleich zu einer einzigen hohen Dosis eine höhere Glutamin-Konzentration in den Muskeln verzeichnet, als bei den Personen, die es in freier Form einnehmen.

Dies gesagt, möchte ich nun vorschlagen, auch die wissenschaftlichen Berichte zu lesen. Mit dieser Glutamin-Form garantieren wir uns vermutlich die maximale Ausprägung der Aktivitäten der Dipeptiden, insbesondere der Vorteile in Bezug auf die Aufnahme, die eine erheblich erhöhte Wirksamkeit bieten.

Ein neues interessantes Nahrungsergänzungsmittel am Horizont? Ich würde sagen, ja ...

 

Quellennachweise

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